Absprungrate und Conversionrate optimieren – Teil 1 »
Hallo, ich bin der Sascha und ich blogge.
Ich schreibe ein recht erfolgreiches Nischenblog über meine Arbeit als Taxifahrer in Berlin (GNIT), wo ich es trotz eng umrissener Thematik auf über 1.000 Besucher täglich bringe, Tendenz immer noch stark steigend.
Das allerdings war nicht immer so. Ich hab lange Zeit (seit 2005) mein Blog “im Sinne des Erfinders”, als Online-Tagebuch geführt. Mit allem, was mich beschäftigt hat.
Von unheimlichen Begegnungen im Supermarkt bis zum eigenen Haushalt, über Politik und meine Arbeit. Das hab ich auf www.sashs-blog.de getan und tue es immer noch.
Ende 2008 ist durch meinen neuen Job hinterm Steuer die Arbeit auch beim Bloggen in den Vordergrund gerückt und ich hab mir damit auch online eine Menge neue Freunde gemacht. Ich hab damals schon einen gewissen Status in der Taxibloggerszene – ja, sowas gibt es wirklich! – erreicht und die Leute haben meine angeblich unterhaltsamen Texte angefangen ohne meinen Zwang zu lesen.
Eine Entscheidung muss her!
Sashs Blog war ein von mir geliebter Ramschladen, aber ich hab mit der Zeit erkannt, dass das Taxi-Thema viel mehr Potenzial hat, als ich es auf dieser Seite hätte nutzen können.
Ich hab ständig Leser vor den Kopf gestoßen, weil ich den Taxi-interessierten Lesern Artikel über einen neuen Mixer aufgezwungen habe, während die an meiner Person interessierten Leute durch ewig viele Fahrgastgeschichten genervt wurden.
Ich hab zwar wie ein Wilder teils mehrmals täglich gebloggt, aber das Blog lockte nur begrenzt neue Besucher an, zumal es inzwischen zu fett und unsortiert war, um überhaupt mal mit SEO anzufangen.
Das Taxi-Thema brauchte eine eigene Seite!
Aber was tun? Sashs Blog zu einem Taxiblog machen oder eine neue Seite zu diesem Zweck anfangen?
Schwierig wurde die Frage nicht nur, weil ich mich gerne gegen Neuerungen wehre, sondern weil es ausgerechnet um den “großen” Teil des Blogs ging. Mein Blog hatte durchaus eine respektable Stammkundschaft versammelt, war gewissermaßen schon eine gute Marke mit ein paar Backlinks – aber schon vom Namen her völlig ungeeignet, Taxiblog zu werden.
Ein neuer Name schien praktisch zu sein, aber gleich einem Großteil der Leser einen Umzug zumuten? Ich war sehr skeptisch und hab mit meiner besseren Hälfte lange darüber diskutiert. Wie anhand der Einleitung zu erahnen ist: Wir haben uns dann doch für ein neues Blog übers Taxifahren entschieden.
Die Umsetzung
Wie immer, wenn man etwas neues plant, wäre mir eine Umsetzung so schnell wie möglich am Liebsten gewesen. Einen knappen Monat an Zeit hat es dann letztlich doch gekostet.
Die technische Umsetzung war eigentlich problemlos, wesentlich diskussionsintensiver gestalteten sich die “Details”. Eine neue Domain ist schnell beantragt, die Namensfindung war auch bei GNIT das größere Problem. Ein zweites WordPress war zackig installiert und auch die Übernahme der alten Taxi-Artikel gestaltete sich dank der Export-Funktion problemlos. In dem Moment war ich froh, dass ich meine Einträge wenigstens konsequent kategorisiert hatte.
Ich habe wochenlang am inhaltlichen Konzept, am Design und an der nervigen Umkategorisierung der alten Einträge gearbeitet (die im Übrigen heute noch nicht beendet ist, aber: Pssst!
) und meine Leser wussten von all dem nichts.
Dabei habe ich sie immer wieder gerne in allerlei Blog-Interna eingeweiht und mit ihnen diskutiert. Diese Entscheidung war aber zu groß und es war mir klar, dass es eine Menge haltlose Kritik geben würde, die eine Lösungsfindung eher erschweren würde.
Vor etwa einem Jahr hab ich dann einen Blogeintrag mit dem Titel “Alle raus! Endstation!” geschrieben und das Ende der Taxigeschichten bei Sashs Blog verkündet. Bei GNIT war inzwischen alles eingerichtet, und die Leser, die “rübergemacht” haben, haben ein aufgeräumtes Taxiblog mit vorgetäuschter Vergangenheit und schon dem ersten neuen Artikel vorgefunden.
Das Ergebnis war wie erwartet: Eine für meinen Blog riesige Welle der Aufruhr schwappte durch die Kommentare und flutete mein Mailfach.
Ich hab mich zurückgehalten und darauf gesetzt, dass die Zeit alle Wunden heilt. Bei GNIT bin ich wesentlich organisierter ans Bloggen gegangen wie zuvor. Ich hab begonnen, meine Einträge im Ein-Tages-Rhytmus zu veröffentlichen und achtete beim Vorschreiben von Anfang an ein wenig mehr auf die Durchmischung der Themen, während Sashs Blog weiterhin ein bisschen vor sich hin wuchert.
Das Fazit
Bereits drei Wochen nach der Veröffentlichung der neuen Seite gab es einen neuen Besucherrekord, der über die Werte von Sashs Blog hinausging.
Ich hatte mich an ein paar Taxiblog-Webmaster gewandt und gebeten, deren Backlinks auf die neue Adresse umzuändern. Es kamen neue Backlinks dazu, und die Leserzahlen stiegen unaufhörlich. Lediglich ein paar wenige Stammleser habe ich verloren, dafür aber hunderte neue gewonnen.
Inzwischen ist GNIT nicht nur eines der größten Taxiblogs dieses Landes, sondern hat auch Fuß gefasst in der Jobblogger-Szene. Die Themenbegrenzung ermöglichte mir beispielsweise einen Backlink von bildblog und inzwischen landen jede Menge Suchmaschinennutzer und gelegentlich auch Journalisten bei mir, wenn sie irgendwas im Bezug auf Berlin und Taxifahren wissen wollen.
Die Seite ist auch nach einem Jahr immer noch im Aufwind, und ich kann jedem mit einem (potenziellen?) Schwerpunktthema nur empfehlen, wenigstens darüber nachzudenken, ob sich eine Auskopplung nicht lohnt. Je früher, desto besser!
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1 Ein Kommentar von Michaela am 26 Okt, 2011
Ich habe die gleichen Erfahrungen gemacht. Am Anfang hatte ich auch einen Blog der sich mit Themen von Urlaub, über Fussball, bis zum Wetter beschäftigte. Auf diesem Blog hatte ich zwar auch viele visitors, aber halt nicht viele Stammuser. Mein Fazit ist, dass ein spezialisierter Blog einfach viel mehr “Stammkunden” hat.
2 Ein Kommentar von Heiko am 26 Okt, 2011
Taxifahren als Nischenthema ist natürlich auch mal was
Jep, das Thema “Auskopplung” ist definitiv interessant, wenn man denn das eine Nischenthema findet – mir geht es oft so, dass es immer Querbeet geht. Aber das ist auch das Learning beim Bloggen, direkt mit einer Nische anzufangen, die man vielleicht nur halbgar im Hinterkopf hat, ja…, aber auch nicht unbedingt das Wahre.
sehr genialer Beitrag!
Aber der Fall der Taxibloggerszene ist nun definitiv bei mir gespeichert, das ist fast wie die linksrheinische Nichtschwimmer-Community aus Osnabrück, gut die sind noch nischiger
3 Ein Kommentar von Csaba Nagy am 26 Okt, 2011
Hallo!
Na das hätte ich mir nie gedacht das es soetwas gibt…eine Taxifahrer-Blogger-Community bzw. Taxifahrerblog…
Das Internet ist wirklich unendlich an Möglichkeiten!
Wäre ich im Leben nie darauf gekommen…Taxifahrerblog…:)))!
MfG
Csaba
4 Ein Kommentar von Sash am 26 Okt, 2011
@Heiko:
Danke erstmal
Natürlich lernt man währenddessen. 4 Monate vor dem Schritt hätte ich auch nicht daran gedacht, sowas zu wagen. Aber wenn man an den Punkt kommt, ist es schön, wenn man sich nicht verzeittelt hat auf dem Weg.
@Csaba:
Tja, was man nicht alles rausfindet
Aber wir Fahrer haben auch genug zu schreiben, glaub mir. Das ist als Biotop wie gemacht für mitteilungsbedürftige Blogger…
5 Ein Kommentar von Nathanael Dalliard am 26 Okt, 2011
Ich musste gerade etwas schmunzeln, echt witzig so ein Taxifahrerblog. Es ist schon richtig, Nischen gibt es genügend und wie wichtig eine Nische ist zeigt auch die Auskopplung die Sascha hier vornahm. Das allerwichtigste was sich hier jeder mitnehmen sollte ist:
Zielgruppe definieren!
Ohne geht es nicht, wer nicht weiss wen er anspricht, der spricht niemanden an.
6 Ein Kommentar von Coach Henri am 27 Okt, 2011
So viel zum Thema “Es gibt keine Nischen mehr” und “Blogs liest eh keiner”. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und werde morgen kurz über das Blog berichten, auf meinem Nischenblog
7 Ein Kommentar von Dieter am 31 Okt, 2011
Ich denke, dass gerade Taxifahrer eine Menge zu erzählen haben und jeder Fahrgast anders ist. Gerade zu nächtlicher Stunde gibt es da bestimmt einige Highlights
8 Ein Kommentar von Michaela am 31 Okt, 2011
Das zeigt doch, dass es mit Geduld und dem richtigen Gespür doch noch möglich ist Nischen zu finden. Der Artikel hat mich jetzt richtig motiviert
9 Ein Kommentar von Max am 5 Nov, 2011
Danke für den Link zum Taxi-Blog. Das liest sich seeeehr gut
10 Ein Kommentar von Joaquin am 8 Nov, 2011
Solche Themenblogs sind aber auch für viele interessant, weil sie einem Einblicke in etwas geben, welches sie so in der Regel nicht erfahren würden. Und als Taxifahrer erlebt man nun einmal ziemlich abgefahrene Gedchichten.
11 Ein Kommentar von Xeon am 16 Nov, 2011
Genial x) auch ich wunder mich über das Thema: Taxifahrer-Blog. Aber liest sich tatsächlich erstaunlich gut und ist sehr unterhaltsam. Kann ich nur empfehlen – bei manchen Einträgen muss man wirklich dauerschmunzeln ^_^”
12 Ein Kommentar von Karim B. am 21 Nov, 2011
Wahnsinn! Gute Motivation wenn man selber Blogger ist. Bei dem Thema Taxifahrer ist es unglaublich solch eine Vielzahl an Menschen zu erreichen, aber du bist ja auch fleißig am schreiben wie ich gesehen habe.
Grüße, K.