In letzter Zeit wurde ich des öfteren danach gefragt, wie ich es schaffe, immer so lange Artikel zu schreiben.
In meinen Blogs setze ich hauptsächlich auf eher lange Artikel und bin damit in der Vergangenheit durchaus gut gefahren.
In diesem Artikel möchte ich zeigen, wie ich solche langen Artikel erstelle.
Lange Artikel
Zu aller erst muss ich natürlich sagen, dass lange Artikel kein Allheilmittel sind.
Es hängt von vielen Faktoren ab, ob man mit längeren Artikeln Erfolg hat oder nicht.
Ich habe selber immer sehr gern geschrieben und deshalb auch bei meinen Blogs diesen Weg gewählt.
Es gibt aber durchaus Vor- und Nachteile langer Artikel.
Vor- und Nachteile langer Artikel
Zu den Vorteilen langer Artikel gehören unter anderem die folgenden Punkte:
- Lange Artikel sind im Internet eher in der Minderheit. Kurze News und Meinungen dominieren und durch lange Artikel kann man sich oft schon von der Konkurrenz unterscheiden.
- Viel Text wirkt oft seriöser und umfassender, was oft auch stimmt. Wenn User die Wahl zwischen einem längeren und einem kurzen Artikel zu einem Thema haben, entscheiden sie sich oft für den längeren.
- In langen Artikeln kann man einzelne Themen viel umfassender abhandeln. Das sorgt dafür, dass Leser nicht mit so vielen offenen Fragen zurückbleiben, nach deren Antworten sie dann in anderen Blogs suchen.
- Lange Texte wirken sich nach meiner Erfahrung auch recht gut in Sachen SEO aus. Dafür müssen es nicht immer 1.000 Wörter sein, aber besser als kurze News ist es allemal.
- Lange und ausführliche Texte tragen dazu bei, sich als Experte für ein Thema zu positionieren.
Lange Texte haben auch durchaus auch Nachteile:
- Man benötigt natürlich recht viel Zeit zur Recherche, zum Schreiben und zum Bearbeiten.
- Es gibt Internet-Nutzer, die keine langen Texte lesen wollen.
- Während andere 3 Artikel schreiben, schaffe ich nur einen.
Es hängt sehr von den eigenen Zielen und der angepeilten Zielgruppe ab, ob eher lange oder kurze Artikel Sinn machen.
Gerade in Fachblogs wirken sich lange Artikel aber oft positiv aus.
So schreibe ich lange Artikel
Viele haben Probleme damit, aus einer Artikel-Idee mehr als 100 Wörter herauszuholen.
Im Folgenden liste ich meine Tipps auf, wie ich es schaffe zu einem Thema einen langen Artikel zu schreiben:
- Die Idee
Am Anfang steht immer eine Idee. Entweder ich stoße im Web auf ein interessantes Thema oder komme irgendwie sonst darauf. Ich notiere mir dann meist die Artikel-Idee.Das bedeutet, dass ich in der Regel nicht sofort einen Artikel zu einer Idee schreibe. Denn die Idee allein ist meist nicht genug für einen ausführlichen Artikel.
- Nachdenken
Als nächstes kommt erstmal das Nachdenken. Das bedeutet, dass ich die Artikelidee erstmal reifen lasse und über die verschiedenen Aspekte nachdenke. Oft passiert das nebenbei.Ich führe dabei auch eine Art Mindmapping durch. Ich versuche also die verschiedenen Aspekte herauszufinden. Denn in der Regel hat ein Thema nicht nur eine Seite. Es gibt meist mehrere Meinungen, unterschiedliche Standpunkte, Entwicklungen, Pro- und Kontra, etc.
Das bringt mich zum nächsten Punkt.
- Recherche
In der Regel recherchiere ich im Netz zu einer Artikelidee. Das kann so ablaufen, dass ich einfach nebenbei auf interessante Infos zu einem Thema stoße und diesen Link dann in meinem Artikelentwurf ablege.Mache ich mich daran einen Artikel zu schreiben, dann suche ich im Internet meist noch nach bestimmten Infos, wenn sich z.B. durch das Mindmapping Aspekte ergeben haben, mit denen ich mich noch nicht so gut auskenne.
Weitere Tipps zur Recherche habe ich hier im Blog schon mal vorgestellt.
- Struktur
Bevor ich mit dem Schreiben selber loslege, erstelle ich erstmal eine Struktur.Ich nehme mir die Idee und meine dazu erarbeiteten verschiedenen Aspekte, Vor- und Nachteile, Beispiele, Argumente etc. und bastle mir daraus eine Artikel-Struktur. Dazu erstelle ich einzelne Zwischenüberschriften.
Der Aufbau eines Artikel sieht im Groben meist so aus:
- Einleitung
- Ausgangssituation
- Pro und Kontra / Analysen / Beispiele …
- Tipps und Empfehlungen
- Fazit
Das ist natürlich nur eine recht vereinfachte Struktur. Aber meist ist sie dieser recht ähnlich.
Nach der Einleitung, in der man einen Überblick gibt und das Thema kurz umreißt, stelle ich erstmal die Ausgangssituation vor. Dabei gehe ich z.B. auf die News ein, die mich überhaupt erstmal dazu bewogen hat, den Artikel zu schreiben.
Aber ich schildere an dieser Stelle z.B. auch schon andere Sichtweisen oder bringe eigene Erfahrungen ein.
Der Punkt “Pro und Kontra / Analysen / Beispiele” steht stellvertretend für den Teil des Artikels, in dem ich auf Vor- und Nachteile, unterschiedliche Meinungen etc. zu dem Thema eingehe. Das ist auch oft der umfangreichste Teil eines Artikels, wenn man gut recherchiert hat.
Hier liegt bei vielen Bloggern auch der Grund, warum deren Artikel nicht lang werden. Sie haben eine Meinung zu einem Thema und diese ist in 2 Sätzen niedergeschrieben. Sie versuchen nicht, sich in andere Personen rein zu versetzen und andere Sichtweisen zu analysieren.
Lange Artikel erfordern aber Offenheit für die Themen. Wer nur bloggt, um die eigene feste Meinung raus zu posaunen, wird es auch schwer haben lange Artikel zu verfassen.
Wer sich dagegen mit den verschiedenen Seiten einer Medaille beschäftigt, der hat in der Regel keine Probleme, längere Texte zu verfassen.
Am Ende des Artikel gebe ich in der Regel Tipps und Empfehlungen, die sich aus den vorherigen Analysen ergeben. Das dies in der Regel meine persönliche Meinung ist und die Leser gern auch ihre eigenen Schlüsse ziehen sollen, ist dabei ebenfalls wichtig.
Ohne eine Aufarbeitung der einzelne Aspekte eines Themas können die Leser sich gar keine eigene Meinung bilden.
Und am Ende gibt es dann noch meist ein kurzes Fazit, dass den Artikel zusammenfasst.
- Schreiben
Erst wenn ich weiß, welche Struktur ein Artikel hat, gehe ich ans eigentliche Schreiben. Und das ist nach der Vorarbeit der Punkte 2 bis 4 meist sehr einfach.Selbst dann, wenn ich denke, dass der Artikel gar nicht so lang wird, bin ich oft selbst überrascht, dass er am Ende dann doch so lang wurde. Je besser man recherchiert und je konkreter man den Artikel strukturiert, um so einfach fällt es einem, zu den einzelnen Punkten etwas zu schreiben.
Hier hilft es mir sehr, tendenziell mehr Zwischenüberschriften zu verwenden. Dann muss ich bei jeder Zwischenüberschrift nur ein paar Absätze schreiben. Das ist einfacher, als wenn man sich vor den Rechner setzt und sagt: “Okay, jetzt schreibe ich einfach mal 1.000 Wörter am Stück.”
- Überarbeiten
Nach dem Schreiben kommt dann noch Überarbeitung. Rechtschreibung, Grammatik, Verständlichkeit etc. versuche ich zu optimieren, ohne dabei 100% anzustreben. - Veröffentlichen
Erst dann veröffentliche ich einen Artikel.
Beispiel
Am Beispiel des Artikels “Facebook und der Datenschutz” möchte ich meine Vorgehensweise nochmal verdeutlichen.
Aufhänger war die News, dass das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein den Facebook Button für rechtswidrig erklärt hat.
Ich hätte diese News also einfach so in meinem Blog wiederkäuen können und hätte damit vielleicht 100-200 Wörter zusammen bekommen.
Stattdessen habe ich mich mit dem Thema erstmal beschäftigt und habe darüber nachgedacht. Nach der Schilderung der Ausgangssituation habe ich verschiedene Aspekte beleuchtet.
So zum Beispiel die Strafen, die damit evtl. einhergehen und natürlich die unterschiedlichen Reaktionen und rechtlichen Meinungen, die es dazu schon gab. Hier war natürlich Recherche notwendig.
Danach habe meine eigene Meinung zu diesem Thema niedergeschrieben und eine Empfehlung gegeben.
Das Fazit schließt den Artikel ab.
Alles in allem sind es dadurch rund 1.000 Wörter geworden.
Mit ein wenig mehr strukturiertem Vorgehen kann man aus fast jedem Thema einen langen Artikel machen.
Nicht übertreiben
Aber man sollte es natürlich auch nicht übertreiben.
Wer seine Artikel zu sehr aufbläht, verärgert damit evtl. Leser. Alle zusätzliche Informationen, die man in den Text einbaut, sollten einen Mehrwert bieten und dem Leser was bringen.
Wer dagegen irgendwelche sinnlosen Inhalte reinstopft, nur um auf eine bestimmte Artikellänge zu kommen, schadet sich eher.
Man sollte zudem bei nur einem Thema bleiben. Bei dem oben genannten Beispiel-Artikel hätte ich auch z.B. über den Datenschutz bei Google und das Problem mit der Vorratsdatenspeicherung eingehen können. Dann hätte ich aber den Themenfokus, der bei Facebook und dem Datenschutz lag, verwässert.
Das Ergebnis wäre wahrscheinlich gewesen, dass der Artikel in Google nicht so gut gerankt hätte, da er sich um mehrere Themen dreht. Google liebt nun mal fokussierte Artikel.
Und wahrscheinlich wären auch Leser ausgestiegen, da sie sich für Facebook, aber nicht für das Thema Vorratsdatenspeicherung interessieren.
Wird ein Thema durch Nachdenken und Recherche mal so umfangreich, dass es selbst für einen längeren Artikel zu viel wäre, dann kann man daraus auch gern eine Artikelserie machen.
Fazit
Um längere Artikel zu schreiben, darf man die Phasen des Nachdenkens, der Recherche und der Strukturierung nicht einfach überspringen und sich dann wundern, dass man nur 100 Wörter zusammen bekommt.
Wer sich gut auf einen Artikel vorbereitet, was gar nicht mal so lange dauern muss, der wird meist keine Probleme haben, ausführlichere Artikel zu verfassen.
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1 Ein Kommentar von Csaba Nagy am 6 Sep, 2011
Hallo!
Das merkt man das Deine Artikel immer eine gute Struktur haben!
Dabei hast Du den Vorteil das Du gerne schreibst und so kommen einem bei der Erstellung von Artikel und Beiträgen 500 Wörter eigentlich schon recht wenig vor.
Wenn man wirklich so schreibt wie Du sind sogar 1000 Wörter nur für eine “Kurzfassung” ausreichend…
Ich habe am Anfang in meinem Blog mit 300 Wörter angefangen, was mir aber immer zu wenig wurde und ich so die Wortanzahl stetig erhöhen musste.
Angesichts Googles “Panda” ist es aber auch gut wenn man mindestens 500 Wörter für die Beiträge als Minimum setzt.
Persönlich mag ich lange und ausführliche Artikel, die wirklich ein Thema von verschiedenen Seiten beleuten und angehen…ich denke solche Beiträge sind für viele Leser interessant und werden auch bevorzugt…aber das hängt auch immer vom Thema und von der Zielgruppe ab!
MfG
Csaba
2 Ein Kommentar von Tanja Handl am 7 Sep, 2011
Sehr gute Tipps, die zu einem großen Teil auch für kurze Artikel gelten. Aus meiner Sicht ist das wichtigste bei einem langen Text die Struktur – der Leser muss sich noch zurechtfinden können. Eine lange Textwurst schreckt einfach ab. Zwischenüberschriften helfen deshalb nicht nur dem Autor, sondern auch den Lesern.
3 Ein Kommentar von blog4tech am 7 Sep, 2011
Ich muss sagen, dass mir diese Strukturtipps echt gefallen! Lange Artikel bevorzuge auch ich, weil ich dann einfach alles niederschreiben kann ohne Content kürzen zu müssen.
So eine Kürzung zerstört meiner Meinung nach das Verständnis. Oder nein: Es KANN das Verständnis und ein paar andere Dinge zerstören!
Wichtig finde ich es auch, dass man nicht übertreiben sollte! Auch wer lange Artikel lieber hat, soll sich bei einem winzigen Thema kurz fassen
Sonst wird der Artikel einfach nur langweilig.
Auf jeden Fall Danke für diese super Aufstellung! Ich konnte viel davon mitnehmen und man merkt, dass du auch verstehst wovon du schreibst!
4 Ein Kommentar von Harald Helmschrodt am 7 Sep, 2011
Also zuerst einmal: eine wirklich gute Beschreibung und sicherlich auch eine sehr gute Hilfestellung für viele Blogger, auch für mich! Ich bin ebenfalls der Meinung, dass sich lange Artikel auf jeden Fall positiv auswirken, solange es sich nicht nur um eine Massive Ansammlung von Keywords handelt. Qualität dagegen setzt sich früher oder später immer durch. Gerade das Schreiben von langen Artikeln ist in erster Linie Handwerk, das man durch Übung erlernen kann. Wobei ich einer guten Recherche fast den größten Wert beimesse, denn mit wenig guten Informationen als Grundlage lässt sich auch kein durchgehend interessanter Artikel verfassen. Auf Floskeln und unnötige Füllwörter zu verzichten ist sicherlich, aus journalistischen Gesichtspunkten, auch kein Fehler. Eine gute Übung, die ich aus dem Creative Writing kenne, ist es, sich einfach hinzusetzen und spontan alles zu schreiben, was einem einfällt, ohne allzu lange darüber nachzudenken. Dabei sollte man versuchen, möglichst zusammenhängend zu schreiben, Übergänge zu schaffen. Mit der Zeit merkt man, dass es einem immer leichter fällt, lang und viel zu schreiben. Außerdem hilft diese Übung sehr gut dabei Schreibblockaden zu überwinden!
5 Ein Kommentar von Mark am 8 Sep, 2011
Sehr wichtig: Absätze. Zählt sicher mit unter Texstruktur, aber wenn ich mir einen Kommentar wie den von Harald anschaue, dann ist mir klar, den les’ ich nicht, tut mir Leid. Wall of text, das muss nicht sein.
Dann kommt es natürlich auch immer auf den eigenen Schreibstil und das Publikum an. Wer zum Beispiel eher komplexe Sätze verwendet, in denen viele Gedanken untergebracht werden, wird am Ende auf eine kürzere Textlänge kommen.
6 Ein Kommentar von Sebastian am 8 Sep, 2011
WoW! Ich bin selber Redakteur und ich muss sagen, der Artikel hats in sich. Hat mir um einiges weitergeholfen, da ich auch eher dazu stehe lange, statt kurze Artikel zu schreiben. Kommt glaub ich auch viel besser für Google.
Gruß
Sebastian
7 Ein Kommentar von Peter am 8 Sep, 2011
Ich schreibe auch eher lange Artikel, was ja nicht unbedingt die ursprünglich Idee der Blogs war. Aber die Systeme eigenen sich genauso für längere Texte. Ich finde sogar, dass die Qualität normalerweise steigt, wenn die Texte länger werden. Übrigens benutze ich sehr gerne Diktatsoftware.
8 Ein Kommentar von TmoWizard am 12 Sep, 2011
Hallöchen!
Ein sehr interessantes Thema wie ich finde und worüber ich selbst dank Webmaster Friday auch schon einen Artikel geschrieben habe, da es eines ihrer Themen war!
http://www.webmasterfriday.de/blog/der-optimale-blogartikel-laenge-medien-und-struktur
Leider habe ich ja auch das kleine Problem, daß meine Artikel “etwas” länger werden. So unter 1000 Worten komme ich eigentlich selten aus.
Natürlich kommt es auch auf das Thema des Artikels selbst an, aber gut recherchiert und mit Quellen/Links belegbar sollte er schon sein! Das ist leider etwas, daß ich bei manchen sehr vermisse.
Grüße aus Augsburg
Mike, TmoWizard
9 Ein Kommentar von Heiko am 12 Sep, 2011
Schöne Zusammenfassung. Ich versuche das immer ähnlich zu machen, habe aber bei mir festgestellt (zumindest auf meinem privaten Blog), dass zu lange Artikel (1000 Wörter aufwärts) nicht die gleiche Resonanz erzeugen wie kurze.
10 Ein Kommentar von barbara am 12 Sep, 2011
Ich dachte immer, Texte auf einem Blog sollen generell kurz sein. Einfach wegen dem Medium. Aber es ist spannend zu lesen, dass es genau umgekehrt ist. Dass lange Text für Kompetenz und Seriosität stehen. Selber handhabe ich es mal so mal. Kurze wechseln mit langen. Ich werde nun nach diesem Beitrag auf längere konzentrieren. Danke für die Info.
11 Ein Kommentar von Thomas am 19 Sep, 2011
Eine sehr gute Beschreibung, die ich ausnahmsweise auch mal bis zum Ende gelesen habe. Einerseits teile ich deine Meinung, dass längere Artikel a) mehr Vorbereitung brauchen und b) meist auch mehr Inhalt besitzen und umfassender informieren. Allerdings muss ich für mich selber sagen, dass ich die meisten Blogeinträge eigentlich nur quer lese und mir wirklich nur das wichtigste herausziehe. Zur Information reichen dann auch meist 300 bis 400 Wörter denke ich.