Man muss schon sagen, dass der Begriff Freund vor allem im Social Web ziemlich überstrapaziert wird.
Da sind 200 Kontakte bei Facebook meine Freunde. Dabei definiere ich “Freunde” doch anders, als das Facebook und Co. tun.
Aber auch generell stellt sich die Frage, wie weit es mit Freundschaften im Web her ist.
Und dieser Frage geht das Webmaster Friday Thema vom letzten Freitag nach. Bevor morgen schon wieder das neue Thema kommt, möchte ich dazu auch noch gern etwas schreiben.
Was sind Freunde?
Sicher gibt es nicht die eine gültige Definition von Freundschaft und von Freunden.
Ich muss für mich sagen, dass ich relativ wenige Freunde habe, die ich auch wirklich so bezeichnen würde. Da ist mir Qualität wichtiger an Quantität.
Und nur weil ich mich mit jemandem gut verstehe und regelmäßig Kontakt habe, muss das noch kein richtiger Freund sein.
Es mag sein, dass andere den Begriff “Freund” anders und weiter definieren.
Freunde im Web
Das, was Facebook und Co. so vollmundig als Freunde bezeichnen, sind für mich erstmal nichts anderes als Kontakte. Natürlich sind darunter auch Freunde, aber pauschal jeden Kontakt im Social Web als Freund zu bezeichnen ist kritisch.
Davon geht die Welt nicht unter, aber es entwertet den Begriff Freund doch sehr.
Man sollte sich auch nicht der Illusion hingeben, dass man nun durch Facebook viel mehr Freunde hat als früher, als man in der Schule noch zu schüchtern war.
- Mit wem von diesen sogenannten Freunden liegt man denn wirklich auf einer Wellenlänge?
- Mit wem kann man auch über private Dinge reden?
- Und wer ist da, wenn mal mal Probleme und Sorgen hat?
Da zeigt sich schon, dass nur die wenigsten wirkliche Freunde sind.
Es gibt auch virtuelle Freunde
Damit will ich aber auch nicht sagen, dass es nicht möglich ist, online richtige Freunde kennen zu lernen. Aber das braucht Zeit und geht nicht von Heute auf Morgen.
Aber auch wenn es nur gute Bekanntschaften und nette Kontakte sind, ist das schon viel Wert. Gerade wenn man einen Blog betreibt, dann knüpft man viele Kontakte. Das dabei bisher keine richtigen Freunde entstanden sind, ist völlig Okay. Es sind aber schon viele nette und angenehme Bekanntschaften entstanden und die bereichern das Leben auch.
Man sollte es eben einordnen können und sich bewusst sein, dass Freundschaft doch aus mehr als Statusnachrichten und einer gegenseitigen Verlinkung besteht.
Da finde ich Twitter viel ehrlicher. Dort nennt es sich Follower und das zeigt auch ganz gut, um was es geht.
Das Leben ist nicht online
So sehr ich das Web liebe und viel Zeit darin verbringe, so bewusst bin ich mir auch, dass dies nicht das ganze Leben ist.
Das wirkliche Leben findet vor dem Rechner statt. Freunde treffen, mit der Familie Zeit verbringen, das Real Life genießen.
Das sollte man nicht vergessen, auch wenn es online manchmal leichter ist mit anderen in Kontakt zu treten, als im richtigen Leben.
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1 Ein Kommentar von pemko am 14 Okt, 2010
super gut erklärt… bin genau der selben meinung… git zum teil so fälle wo man menschen im facebook hat, welche man ich “echten” leben nicht mal über die strasse trauen würde! Verkommen die menschen dazu trennungen schlechter zu verarbeiten, weil man die EX nicht aus facebook löschen will?
2 Ein Kommentar von Hannes am 14 Okt, 2010
Sehr schön erklärt, aber natürlich klingt der Begriff “Freunde” wesentlich einladender als ein stumpfes “Kontakte”. Das zielt natürlich auch auf die Zielgruppe der jeweiligen Plattform ab, denn wenn ich mich recht entsinne, werden Kontakte doch bei Xing! auch als “Kontakte” bezeichnet?
3 Ein Kommentar von Berkay am 14 Okt, 2010
Ich bin auch der Meinung, dass “Freunde” auf Facebook bisschen überstrapaziert wird. Eine Umbenennung auf “Kontakte” wäre viel angebrachter.
Natürlich existieren auch Kontakte in meiner Liste, die in meinem Leben größere Priorität genießen. Allerdings kann ich diese mit zwei Händen abzählen.
4 Ein Kommentar von Experimentator am 15 Okt, 2010
“Kontakte” im Vergleich zu “Freunde” klingt natürlich schon arg steril. Nichtsdestotrotz stimme ich zu, dass der Begriff “Freunde” nicht wirklich passend ist. Als Alternative würde mir “Bekannte”/”Bekanntschaften” gefallen.
5 Ein Kommentar von Robert am 17 Okt, 2010
Man muß halt bei Facebook zwischen den Freunden unterscheiden. Für mich sind Freunde so und so nur richtige Freunde und von denen habe ich gerade mal ne Hand voll.
Überhaupt im WWW braucht man nicht zu erwarten, dass einem alles abgenommen wird, nur weil man Person XY gut kennt. Man muß schon selbst schaun wo man bleibt.
Ganz nach dem Motto: Vertraue nur dir selbst.
Ich hatte halt das Glück, einen echt guten Freund via WWW gewonnenn zu haben. Auf den kann ich mich verlassen. Konnte ich schon des öfteren. Sowas sind halt Ausnahmen, solche Leute.
6 Ein Kommentar von eliterator am 17 Okt, 2010
Also ich kann auch bei Facebook eigentlich ganz gut zwischen Real-Life-Freunden und puren Facebook-Kontakten unterscheiden, aber sie heißen halt alle “Facebook-Freunde”.. Außerdem habe ich im Netz auch schon Leute kennengelernt, die ich im wahren Leben als Freunde/Bekannte bezeichnen würde (allerdings nicht allzu viele)
7 Ein Kommentar von Dieter Rothschild am 18 Okt, 2010
Ich kann von mir sagen das ich dank Social Networks viele neue Freunde gefunden habe mit den ich sogar im echten Leben also außerhalb des Internets Kontakt habe. Daher ist das nicht alles so schlim, sicherlich gibt es auch leute die einfach nur Ihr Profil mit vielen “Freunden” füllen möchten um so zu sagen das man bekannt ist.
8 Ein Kommentar von Peter am 20 Okt, 2010
Ich finde, manche übertreiben es mit Freundschaften sammeln in sozialen Netzwerken. Ich hab schon mehrere male Anfragen von Leuten bekommen, bei denen ich mich frage wer das ist. Wenn ich dann auf das Profil schaue steht da, dass diese Leute mehrere Tausend Freunde haben
Das wird aber auch von Netzwerk zu Netzwerk unterschiedlich sein, bei Xing wird man eher seltener auf solche Freunde-sammler treffen als beispielsweise bei Facebook.
Aber dass aus Internetbekanntschaften Freundschaften knüpfen kann stimmt definitiv.
9 Ein Kommentar von Dani am 25 Okt, 2010
Ich habe lange den Fehler gemacht, nur echte Freunde zu meinen Facebook-Freunden zu machen. Das Resultat: 30 Freunde und das Image eines sozialen Verlierers, weil alle anderen auch Kontakte und Bekanntschaften als Facebook-Freund hinzufügen. Mache ich jetzt auch, geht ja nicht anders. Hab jetzt auch 160 “Freunde”. 30 echte und 130 auf Standby.
10 Ein Kommentar von Peer Wandiger am 25 Okt, 2010
Es wäre super, wenn man Freunde und Kontakte bei Facebook haben könnte.
11 Ein Kommentar von Caro am 26 Okt, 2010
Toller Beitrag, der den Nagel auf den Kopf trifft. Leider scheint den meisten Leuten, Quantität wichtiger als Qualität zu sein. Ich krieg ständig Einladungen auf Facebook, studi & Co. von Leuten, die ich noch nie gesehen, getroffen oder sonst was habe. Ich glaube mittlerweile gibt es dort echt Leute, die auf “freundesfang” gehen um sich später dann profilieren zu können. Ich hab 300 Freunde? Was, so weing? Ich hab 500 … usw. usw. usw. … einafch nur schwachsinnig!
12 Ein Kommentar von Christa am 26 Okt, 2010
Auf Facebook habt mann auch viele internationale Freunden, die sieht mann natürlich nicht jeden Tag mehr, aber doch nenn ich die wirklich mein Freunden. Ich finde das Facebook es nur ein bisschen ubertreibt. Ein freundin von mir erzählte mir dass sie Facebook verlassen wollte und das es sehr schwierig war, weil Facebook sehr traurig darüber tut wie: du willt kein Freunden mehr haben, usw.
13 Ein Kommentar von Robert am 27 Okt, 2010
Also ich schau schon, dass ich bei FB soviele Freunde wie nur möglich ergattere. Eben Blogger.
Man stelle sich vor, man hätte 10.000 FB Freunde, allesamt Blogger.
Wenn man da dann nen Artikel postet. Wuha…
14 Ein Kommentar von Marek am 28 Okt, 2010
Wenn es um internationale Bekanntschaften geht, finde ich Facebook sehr sinnvoll, ansonsten interessiert es mich nur, was die anderen so schreiben und welche neuen Fotos es gibt. Mit den wahren Freunden gehe ich auch noch mal raus vor die Tür.
15 Ein Kommentar von Anne am 1 Nov, 2010
Mal von den „Freunden“ abgesehen, die man added aber noch nie gesehen hat: Ich habe einen gewissen Freundeskreis im Offline-Leben, dem man eigentlich viel zu selten persönlich trifft.
Ich erwische mich zunehmend häufiger dabei, dass sich bei mir ein gewisses „Done-Gefühl“ auftut, wenn ich diesen Personen zumindest eine Nachricht bei Facebook geschrieben habe.
Es ist absurd, aber was ich damit sagen möchte ist, dass ich mir mit jeder Nachricht, sei sie noch so kurz, zumindest für ein kurze Zeit, ein gutes Gefühl „erkauft“ habe (ein Abhaken). An der Situation, dass ich diese Person trotzdem nicht persönlich getroffen habe, hat sich jedoch nichts geändert.
Ich persönlich glaube, dass ich mich in der Zeit früher ohne soziale Netzwerke eher mit diesen persönlich getroffen hätte als heute in der Zeit des Aufschiebens.
Mich würde es interessieren, ob es jemanden unter euch gibt, der da gleicher Meinung ist?
16 Ein Kommentar von nik am 2 Nov, 2010
„friend“ hat im Englischen einen anderen Bedeutungsbereich. Die Begriffe sind nicht wirklich deckungsgleich: friend = der Bekannte, ein Bekannter, ein Geselle, ein Freund. Das ganze noch männlich und weiblich (vgl. auch „folks and friends“). Die Frage ist also eigentlich nicht so tief-philosophisch und sollte durch eine Kritik an der Lokalisierung des Systems ersetzt werden.