Dürfen nur Experten bloggen?

Marcus EvansWerbung

In die Öffentlichkeit zu gehen fällt nicht jedem so einfach.

Ganz besonders dann, wenn man professionell auftreten und nicht nur einfach zum Spaß bloggen will.

Angehende Blogger, aber auch Podcaster, stellen sich deshalb manchmal die Frage, ob sie überhaupt Experte genug sind, um ihr Wissen in einem Blog oder eben einem Podcast zu verbreiten.

Dürfen nur Experten bloggen?

Muss man ein Experte sein?

Ich denke, dass sich viele Blogger schon mal die Frage gestellt haben, ob sie überhaupt qualifiziert sind, sich zu einem Thema zu äußern.

Schließlich wartet man mit einem Blog nicht bis man 10 Jahre Berufserfahrung hat, sondern startet oft schon in der Schule oder kurz danach mit seinem Projekt.

Und natürlich kann man da noch nicht alles wissen und man hat natürlich auch nicht die Erfahrungen.

Und trotzdem muss man kein Experte sein, denn es gibt immer Leute die mehr wissen und Leute die weniger wissen.

Es ist Okay, nicht alles zu wissen

Es ist völlig in Ordnung, wenn man nicht der Über-Experte im einem Bereich ist. Das ist kaum jemand von den Bloggern da draußen.

Wenn nur die absoluten Experten sich äußern dürften, dann wäre es im Netz recht einsam und auch relativ langweilig.

Und es ist heutzutage auch unrealistisch zu denken, dass man irgendwann an dem Punkt sein wird, wo man alles zu einem Thema weiß. Dafür geht es heute einfach zu schnell und man lernt täglich dazu.

Solange man sich für ein Thema interessiert und sich damit intensiver beschäftigt, kann man auch einen Blog veröffentlichen.

Denn es gibt immer Leute, die weniger wissen, als man selbst.

Es gibt immer User, die weniger wissen

Wenn man selber intensiv Blogs ließt und Fachartikel studiert, dann mag man das Gefühl bekommen, dass es da draußen nur Leute gibt, die mehr wissen, als man selbst. Aber dem ist natürlich nicht so.

Die große Masse ist still und äußert sich höchstens im Kommentaren oder Foren. Deshalb sollte man sich bewusst sein, dass die Mehrzahl der User weniger wissen als man selbst. Vorausgesetzt, man beschäftigt sich mit einem Thema relativ intensiv.

Interessiert einen zum Beispiel das Thema “Aquarium”, dann wird man sich damit auch beschäftigen, Bücher und Blogs lesen und auch sonst immer versuchen auf dem Laufenden zu bleiben. Und dann weiß man schon mehr über das Thema, als der Großteil der potentiellen Leserschaft. Dann kann man natürlich auch ein Blog zu dem Thema starten.

Ist man dagegen selber noch auf der Suche nach Infos über Aquarien und hat sich damit bisher nicht beschäftigt, dann sollte man vielleicht eher die Finger davon lassen, darüber zu schreiben. Zumindest dann, wenn man ernst genommen werden will. Zum Spaß ist natürlich alles Okay, dass versteht sich. Aber viele treue Leser wird man dann wohl eher nicht finden.

Man sollte also nicht zu kritisch mit dem eigenen Wissen umgehen und sich nicht nur mit den bekannten (Experten-)Gesichtern einer Szene beschäftigen, sondern eher mal den Blick auf die vielen, vielen User richten, die noch weniger wissen. :-)

Wie geht man mit Leuten um, die mehr wissen?

Es wird immer jemanden geben, der mehr weiß. Und das ist auch Okay. Schließlich kann man von diesen selber lernen.

Ich interviewe regelmäßig Menschen, die in einer bestimmten Sache sehr gut sind und lerne so selbst etwas, gebe aber auch meinen Lesern zusätzliche Informationen.

Man sollte ruhig zugeben, dass man nicht alles weiß. Das macht einen menschlich und sympatisch.

Wer allerdings so tut, als wüsste er alles, der wird sehr schnell auf die Nase fallen. Das ist das andere Extrem. Man sollte sich zwar gut darstellen, aber seine Leser nicht täuschen.

Welche Voraussetzungen sollte man erfüllen?

Wenn man kein Experte sein muss, um (semi-) professionell zu bloggen, welche Voraussetzung sind stattdessen nützlich?

  • Man sollte neugierig sein. Das Thema sollte einen interessieren und man sollte auf dem Laufenden bleiben.
  • Lernbereitschaft ist auf jeden Fall wichtig. Denn ein Blog lebt oft auch sehr stark davon, dass der Blogger dazulernt und die Leser daran teilhaben lässt. Eigene Erfahrungen und Fehler zu veröffentlichen ist sehr zu empfehlen.
  • Experimentierfreude ist sehr gut, um unique content zu erzeugen. Wer selber viel probiert und testen, kann darüber auch schreiben.
  • Wenn man etwas nicht weiß, dann sollte man Andere fragen. Interviews oder Gastartikel sind da sehr gute Möglichkeiten.
  • Wie schon gesagt, sollte man sich nicht scheuen, die Leser am eigenen Lernprozess teilhaben zu lassen. Das gefällt sehr vielen Lesern.
  • Eine gute persönliche Basis schaffen. Wer nett und hilfsbereit ist, dem vertraut man auch.
  • Nicht einschüchtern lassen. Es wird immer mal Leute geben, die euch vorhalten, dass ihr keine wirklichen Experten seid und sensationelle Inhalte bietet. Don’t feed the Troll. So lange die meisten Leser zufrieden sind, ist das Okay.
Fazit

Man muss kein Experte sein, um professionell zu bloggen oder zu podcasten.

Engagement, Neugier und Lernbereitschaft sind allerdings wichtig und dann findet man auch immer genug Leser, die weniger wissen und die deinen Blog oder Podcast gern lesen/hören.

Habt also keine Angst davor loszulegen.


Kommentare

  1. 2

    Benni

    Gut zusammengefasst wie ich finde, wobei mein Vorredner nicht Unrecht hat. ;)

    Ich denke aber auch, dass es zusätzlich stark vom Thema abhängt. Ich nehm moch mal mich als Beispiel. Ich blogge über meinen Verein. Muss ich da nun dick drin sein? Letztlich nicht, da ich natürlich auch exklusive Infos habe, aber gleichzeitig nur bestehende Informationen userfreundlich umsetze, um die Infos besser zugänglich zu machen.

    Das kann man völlig ohne “Expertenwissen”. Ich stimme dir voll zu mit dem Begriff “Neugierde”. Wenn man dann noch starkes Interesse am eigenen Thema hat, dann ist der “Erfolg” (wie auch immer man das definiert :-)) fast schon garantiert.

    Lernbereitschaft ist aber auch ein Knackpunkt. Warum würde ich hier sonst lesen? Man versucht sich zu verbessern, sei es im Schreibstil, der technischen Seite etc. ..

  2. 3

    Peer

    Das ist sicher noch eine andere Frage. Allerdings bin ich da eher für einen Basisdemokratischen Ansatz. Die Leser entscheiden schon, wen sie lesen wollen und wen nicht.

    Dieser Artikel sollte einfach Blog-Einsteigern ein wenig die Zweifel nehmen.

  3. 4

    Piet

    In denke auch, letztendlich entscheiden die Leser wen sie lesen wollen. Demzufolgen kann eigentlich jeder bloggen, auch wenn man kein Experte ist.

    Man darf sich durchaus auch Nichtwissen eingestehen wenn man einen Artikel zu etwas schreibt, denn gerade durch diese Lücken wird oftmals eine Diskussion angeregt. Mir ist es schon oft passiert das ein Leser mit einer Ergänzung zu meinem Artikel um die Ecke kam die mir selbst noch unbekannt, oder ganz einfach entfallen war.

    Einfach authentisch sein beim schreiben und nicht versuchen den Experten raushängen zu lassen wennn man keiner ist. Reine Expertenartikel laden zwar zum lesen ein, jedoch weniger zum diskutieren. Was soll man besprechen wenn schon alles bis ins letzte Detail ausgeschrieben wurde.

    Ich mache mir da keinen Kopf wegen, wenn man die Vorlage in Form eines Artikels liefert kann man auch gemeinsam mit seinen Lesern etwas lernen indem jeder noch ein paar Informationen hinzufügt.

  4. 5

    Mario

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Sehr schön zusammengefasst und auf jeden Fall deckt sich der Artikel mit meinen Erfahrungen. Die Kommentare von einem Blogartikel, in dem alles 100% abgedeckt und richtig ist, sähen wohl auch ziemlich langweilig aus, a la “Da hast du recht”, “Finde ich auch” …

  5. 6

    Wolfgang - ET-Tutorials.de

    Wie Peer schon sagt:
    “Basisdemokratischer Ansatz. Die Leser entscheiden schon, wen sie lesen wollen und wen nicht.”

    Genau!
    Wenn es keinen interessiert, wird auch keiner lesen.
    Und wenn ein Laie, andere an seinem Lernen, Beobachten oder was sonst auch immer teilnehmen läßt und das interessant ist, dann kann das ein Spitzen-Blog werden.

  6. 7

    Peter

    Ein absolute Experte wird keiner sein. Selbst wer vielleicht mehrere Jahrzehnte Erfahrungen auf ein Gebiet hat, wirklich sicherlich noch die ein oder andere Lücke haben wo er/sie sicherlich nicht alles weis.

  7. 8

    eatofid

    Kommt wohl auf die Materie an…
    Wenn jemand einen Blog über html/css erstellt und beides perfekt beherrscht…
    So schwer ist das ja nicht. :-)
    Aber natürlich gibt es dann auch immer wieder neue Änderungen usw. Da müßte man halt am laufenden bleiben.

    Expert nennt man sich wohl schnell, wenn man in einem gewissen Metier mit seinem Blog in unendliche Weiten vorgestoßen ist. hehe

    Ich blogge zum Beispiel bei Eatofid über Suchwörter bei Google, welche großteils kaum Konkurrenz beinhalten, aber dennoch starke Suchwörter sind. Interessiere mich eben schon jahrelang dafür. Gucke schon ewige Zeiten alle möglichen Suchwörter an, beobachte welche Webseiten fallen und versuche dann herauszufinden, warum und wieso usw. :-)
    In dem Metier wird es im deutschsprachigem Raum sicher eine Menge Leute geben, die da besser als ich drauf sind. Aber einerseits gabs so eine Art Blog vor meinem noch nicht und auch wenn…
    Habe kein Problem damit, nicht der beste zu sein. :-)

  8. 9

    Christian - Existenzgründer Projekt

    Ich denke auch gerade der Weg zu einem Experten kann interessant sein. Also ein Blog über eine eigene Entwicklung. Jemand der sich ein neues Aquarium anschafft, könnte über die Erfahrung bloggen, die er dabei macht. Solche Artikel sind schließlich auch häufig interessant, macht man doch als Anfänger meist mehr Fehler als jemand, der schon gut in etwas ist. Aus diesen Fehlern können dann später andere wieder lernen, da man entsprechende Beiträge ja auch gut bei Google und Co. wiederfinden kann.

    Es kommt halt auch auf das Thema an. Wenn jemand zum Beispiel über das Geld verdienen im Internet schreibt, sollte er aber etwa wissen wie das geht, da es sonst einfach unspannend zu lesen ist. Also wenn man Ratschläge erteilt, sollte man wissen, wovon man redet. Wenn man allerdings nur seine Erfahrungen mitteilt, ist das meiner Meinung nach völlig okay. Es kann auch interessant sein zu lesen wie jemand darüber schreibt wie er/sie mit der Zeit Geld im Internet verdient, also auch wieder der Entwicklungsaspekt.

    Zudem wird man auch mit der Zeit immer besser, da man sich als Blogger ja intensiv mit der Materie auseinander setzt. In dem Sinne wird man mit der Zeit automatisch ein Experte. Würde man hingegen immer denken “Ach, ich bin kein Experte und darf deswegen nicht bloggen”, würde man womöglich nie etwas beginnen. Und ich denke gerade das ist am Wichtigsten, dass man einfach mal anfängt und nicht ewig darüber grübelt, was man tun darf/kann und was nicht.

  9. 10

    Julia Stern

    Viele scheuen sich gerade deshalb davor. Aus Angst, zu wenig darüber zu wissen oder eben mit dem Gedanken, nur Experten könnten so etwas machen.

    Ich finde es viel interessanter, wenn Nicht- Experten einen Blog oder Podcast starten. Bei denen sieht man die Entwicklung. Die wachsen mit den Aufgaben und das ist das Tolle daran.

  10. 11

    Michael Holdcroft

    Was ist besser?

    Ein Professor der nichts erzählt oder eine Laie der recherchiert und lernt und lässt Anderen an seine Erfahrungen und sein erworbenes Wissen teilnehmen?

    Wir sind Alle gläsern geworden und deshalb bin ich bin der Auffassung, dass jeder von uns muss als Mensch sein eigene Marke entwickeln. Wir haben Alle Erfahrungen und Kenntnisse die Andere nicht haben, deshalb sollte man darüber bloggen, Podcasts und Videos machen.

    Der nächste Auftrag- oder Arbeitgeber hat es dann viel leichter zu erkennen was er für ein Partner oder Kollege bekommt.

    Es gibt weitere Gründe warum die persönliche Marke wichtig ist, aber das ist einer der für die meisten Menschen eine Rolle spielt.

  11. 12

    Kenny

    Ich denke auch, dass viele Leute einfach nicht den mut haben über etwas zu schreiben. Das ist jedoch völlig falsch, da man lieber überhaupt etwas sagen sollte, als seine Meinung für sich zu behalten. Außerdem macht das doch gerade das Bloggen so interessant. Denn das interagieren mit dem Leser ist doch sehr wichtig! Außerdem Übung macht den Meister. Durch’s Üben wird man schließlich zum Experten ;)

  12. 13

    Frithjof

    Hmm, wenn ich hier einige richtig verstehe, dann sollte man es schon fast darauf anlegen, Luecken zu lassen, damit eine Diskussionsgrundlage entsteht und nicht ein (nahezu perfekter) Lexikonartikel?
    Ja, das ist einerseits in Richtung social networking besser, und die Anzahl der Kommentare sagt ja auch etwas darueber aus, wie sehr sich die Leser engagieren.
    Andererseits lesen viele auch nicht alle Kommentare, denen wuerde dann die (vielleicht wichtige) Erweiterung des Artikels in den Kommentaren entgehen. Das fuehrt mich dann zu der Frage, ob man vielleicht den Artikel als Autor spaeter editieren sollte mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Kommenatrerweiterungen? Wacht das Sinn?

  13. 14

    Peer

    @ Frithjof
    Absichtlich lücken lassen ist nicht unbedingt so gut. Ich mache das zumindest nicht, sondern versuche den besten Artikel zu einem Thema zu schreiben.

    Wenn dann Lücken drin sind, dann ist das Dinge, die ich wirklich vergessen oder nicht gewusst habe.

    Ich denke, dass Diskussionen vor allem dann entstehen, wenn man neben den Fakten eben auch seine ehrliche Meinung einbringt. Es gibt immer Leser, die eine andere Meinung haben.

    Bzgl. des Bearbeitens eines Artikels. Das würde ich nicht machen, außer es sind wirklich schwere Fehler drin.

    Ansonsten bietet es sich an, einfach einen Folgeartikel später zu schreiben, der die neue Erkenntnisse und auch andere Sichtweise beinhaltet.

  14. 15

    Karolin

    Jeder sollte zu einem Thema, von dem er Ahnung hat, bloggen oder auch einfach nur seine Meinung vertreten können. Auch Experten wissen nicht alles und machen Fehler. So ein Blog ist außerdem kein Lexikon, sondern dient der Information und dem freien Wissensaustausch- also ist es eher ein Forum:-)

  15. 16

    Gilly

    “Man muss kein Experte sein, um professionell zu bloggen oder zu podcasten.”

    Der Satz ist ein Wiederspruch in sich.

    Richtig ist: Man muss kein Experte sein, um zu bloggen. Kann jeder machen und vor allem kann es jeder machen, wie er es für richtig hält.

    Will man etwas professionell machen, dann muss man auch Experte sein.

  16. 17

    Peer Wandiger

    Wobei es hier sicher auch auf die Definition von Experte ankommt. Mein Punkt war eben, dass nicht nur absolute Experten über ein Thema schreiben dürfen. Auch jemand, der “nur” Fortgeschritten ist, kann Einsteiger noch viel beibringen.

    Gerade Blog-Einsteiger, die zu einem fachlichen Thema schreiben möchten, haben manchmal Zweifel, ob sie dafür schon genug wissen. Das wollte ich mit diesem Artikel thematisieren und diese Leute unterstützen.

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