Für viele Blogger sind die eigenen Leser eine relativ unbekannte graue “Masse”.
Um jedoch vor allem die Inhalte, aber z.B. auch Affiliate-Werbung auf die eigenen Leser abstimmen zu können, sollte man seine Leser so gut es geht kennen lernen.
Doch wie findet man heraus, wer die eigenen Leser sind und geht das überhaupt?
Warum sollte ich meine Leser kennen?
Marketing-Maßnahmen in der Offline-Welt werden sehr oft nach demografischen Kriterien durchgeführt.
Für ein Hautpflege-Produkt wird in aller Regel eher in einer Frauenzeitschrift, als in einem Motorsport-Magazin geworben. Trailer für romantische Kinokomödien laufen auch eher vor ähnlichen Filmen im Kino, als vor einem Aktionkracher.
Die Zielgruppe spielt also im Offline-Marketing eine wichtige Rolle. Aber nicht nur dort. Auch klassische Medien wollen wissen, mit dem Sie es zu tun haben. So fragen Zeitschriften hin und wieder in großen Umfragen die demografische Eckdaten ihrer Leser und deren Wünsche ab.
Und auch Online-Medien, wie eben Blogs, sollten sich die Mühe machen herauszufinden, wer die eigenen Leser sind.
Denn durch diese Infos kann man die Inhalte des eigenen Blogs, aber auch Dinge wie Affiliate-Werbung besser steuern und effektiver einsetzen.
Doch wie finde ich heraus, wer meine Leser sind?
So findest du heraus, wer deine Leser sind!
Alexa.com
Vor kurzem hat Alexa.com einen größeren Relaunch durchgeführt. Dabei wurde nicht nur die Berechnung des bekannten Alexa-Rank überarbeitet, sondern auch eine Menge zusätzlicher Daten hinzugefügt.

So kann man nun auch Informationen über den Anteil männlicher und weiblicher Leser einer Website/Blog einsehen. Man bekommt angezeigt, welchen Altersgruppen die eigenen Leser mehr oder weniger stark angehören.
Sogar eine Aussage über die Bildung der eigenen Leser und ob diese Kinder haben oder nicht traut sich Alexa zu.
Diese Daten sehen sehr interessant aus und ergänzen die schon vorher vorhandenen Daten sehr gut.
Google AdPlanner
Der Google AdPlanner ist eigentlich dazu da, um Websites zu finde, auf denen man AdSense-Werbung schalten kann.
Deshalb finden sich dort nicht nur allgemeine Visit- und PageView-Angaben für Websites und Blogs, sondern auch demografische Angaben.

Diese sind ähnlich wie bei Alexa.com aufgebaut. Es wir angezeigt, aus welcher Altersgruppe die eigenen Leser kommen, ob es mehr Männer oder Frauen sind und ähnliches.
Auch sehr interessant sind die Angaben zum Einkommen.
Wie man den AdPlanner benutzt, habe ich in einem Artikel auf Selbständig im Netz beschrieben: “Wert eines Blogs oder einer Website berechnen”
Demographics Prediction
Microsoft hat ebenfalls ein Online-Tool am Start, welches eine demografische Analyse der Leser einer Website ermöglicht.
Die Angaben ähneln dabei denen der beiden vorher vorgestellten Tools.
Interessant ist an diesem Tool aber noch, dass man auch ein Keyword eingeben kann und auch dafür eine Auswertung erhält.
Umfragen
Eine andere Möglichkeit ist es natürlich, im eigenen Blog eine Umfrage durchzuführen. Allerdings erreicht man damit meist nur eine kleine Teilmenge der Leser. Deshalb sind solche Umfragen nur bedingt repräsentativ.
Zudem werden bestimmte Fragen, z.B. nach dem Einkommen, nur ungern beantwortet, selbst wenn es anonym geschieht.
Umfragen eigenen deshalb auf jeden Fall zur Analyse der eigenen Leser, sollten aber nicht allein eingesetzt werden.
Kommentare lesen
Wenn man die Kommentare seiner Leser aktiv mitliest, was man sowieso machen sollte, dann erfährt man viel über seine Leser. Allerdings muss der Blog eine gewisse Größe erreicht haben, um sich aus genügend Kommentaren ein Bild machen zu können.
Zu beachten ist auch, dass die Masse der Leser in der Regel nur liest, ohne zu kommentieren. Die Aussagen in den Kommentaren bilden also meist nur die Meinung einer sehr aktiven Minderheit ab, nicht aber unbedingt die Meinung aller Leser.
Also sind auch die Kommentare mit Vorsicht zu genießen und sollten nicht allein betrachtet werden.
Wie genau sind die Angaben?
Natürlich wird sich der ein oder andere fragen, woher die oben genannten Tools ihre Daten haben und wie verlässlich diese sind.
Und da muss auch ich passen. Google sammelt ja seit Jahren massiv Daten, so dass ich dort noch am ehesten verlässliche Daten vermute.
Bei Microsoft und Alexa ist es allerdings nur bedingt nachvollziehbar, woher die Daten stammen.
Trotzdem ist es interessant zu sehen, dass sich viele demografische Angaben doch relativ stark gleichen. Hier scheinen also alle Tools eine gewisse Aussagekraft zu haben.
Nichts desto trotz sollte man nie nur einem Tool vertrauen, sondern sich ein umfassendes Bild aus allen 5 genannten Quellen machen.
Wie kann man das Wissen nutzen?
Wie schon erwähnt, kann man seine Artikel-Schwerpunkte an der Zielgruppe ausrichten. Finden sich unter den eigenen Lesern also zum Beispiel viele Männer, sollte man sich auf Themen konzentrieren, die Männer ansprechen. Will man mehr Frauen erreichen, so sollte man inhaltlich dagegen steuern.
Auch die Daten über das Einkommen sind interessant und könnten z.B. bei der Wahl der Affiliate-Programme, bzw. der Monetarisierung generell, hilfreich sein.
Auch der Umgangston im Blog ist bei manch einem Blogger so eine Sache. Eine jüngere Zielgruppe sollte man teilweise sicher anders ansprechen, als eine ältere.
Doch das bringt uns auch zu der Frage mit der Henne und dem Ei.
Die Henne und das Ei
So hilfreich diese Daten auch sind, die Medaille hat immer 2 Seiten.
Denn natürlich sind die eigenen Leser keine feste Größe, an der man seine Inhalte auszurichten hat. Die eigenen Inhalte bestimmen wiederum wer die eigene Website besucht. Man ist also selbst dafür verantwortlich, wie die eigene Leserschaft aussieht.
So könnte man durch diese Analysen feststellen, dass kaum Frauen den eigenen Blog besuchen. Also könnte man sich verstärkt um Themen kümmern, die Frauen ansprechen und damit die Leser-Struktur aktiv ändern.
Bei aller Analyse ist also jeder Blogger auch der Schmied seines eigenen Schicksals.
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1 Ein Kommentar von Andi am 22 Apr, 2009
Wie gewohnt wieder mal einen super Artikel von dir! Jetzt aber schön fleissig meinen Kommentar analysieren..
2 Ein Kommentar von Peter am 22 Apr, 2009
Schöne Artikel, wobei die Aussagekraft der vorgestellten Tools doch Anlass zum zweifeln gibt.
3 Ein Kommentar von Peer am 22 Apr, 2009
Keine Frage, die Tools sind nicht perfekt und werden es wahrscheinlich nie sein. Aber es geht auch nicht um perfekte Ergebnisse, sondern darum, nicht blind unterwegs zu sein. Und dabei können diese Tools schon helfen.
4 Ein Kommentar von Julia Stern am 22 Apr, 2009
Die eigenen Leser zu kennen (also die man ja erreichen möchte, die Zielgruppe) ist wirklich wichtig. Von den ganzen Tools, die es da gibt halte ich persönlich nichts. Das beste Tool überhaupt sind die Kommentare. Von denen kann man schon ziemlich viel ableiten. Und im Grunde weiß man ja auch, welche Zielgruppe man erreichen möchte- nämlich die, die sich für das Thema eines Blogs interessiert.
Grüße
Julia
5 Ein Kommentar von Paul am 22 Apr, 2009
Ich wusste garnicht das man so genau seine Kunden analysieren kann.
6 Ein Kommentar von UschaSu am 23 Apr, 2009
Also, mal schaun: SiN-Leser sind vorwiegend männlich, zwischen 25 und 40, kinderlos, haben eine mittlere Bildung und verdienen nicht viel. Und das heißt? Tech-Stuff, und dazu gehört wohl die berufliche Beschäftigung mit dem Internet allgemein, ist immer noch vorwiegend Männersache. Das Alter um die 30 ist genau das, wo die meisten sich etwas aufbauen wollen (Kinder kommen erst später, vor allem wenn man noch finanziell nicht gesettled ist, klar). Wer studiert hat, hat offenbar andere, vielleicht bessere, Karrierechancen als eine ungewisse Selbständigkeit im Netz, oder der studierte Webworker liest andere Blogs, oder beides. Umgekehrt stellt das Netz für viele, die sonst wenig Chancen haben trotz einer guten Ausbildung (oder gerade weil sei fehlt), ein Terrain dar, das man noch erobern und wo man sich was aufbauen kann.
Abgesehen davon, dass die Analyse soziologisch interessant ist und ihr Ergebnis mich in manchen Punkten überrascht, was macht man jetzt damit? Außer vielleicht Werbung optimieren … Welche Themen könnten, bitteschön, auf SiN mehr Frauen, Ältere oder Akademiker ansprechen? Mir fällt da nichts ein. Und wozu auch? SiN zieht genau die Leute an, die sich für diesen Mix interessieren, und offenbar werden es stetig mehr. Wer irgendwie gegen den Durchschnitt gebürstet ist, darf ja trotzdem mitlesen …
Trotzdem, wie gesagt, interessante Erkenntnisse!
7 Ein Kommentar von Peer am 23 Apr, 2009
@ UschaSu
Ob die Daten so hundertprozentig mit der Realität übereinstimmen ist natürlich nicht nachprüfbar.
Allerdings könnte man solche Daten auch Werbekunden vorlegen. Es gibt aber sicher auch Blogs, die nicht so deutlich eine bestimmte Zielgruppe ansprechen und wo man selber nicht so genau weiß, wer denn den Blog ließt.
Aber du hast recht, dass diese Angaben allein nicht alles ändern. Es ist ein weiterer Puzzlestein beim Thema “Wissen ist Macht”.
Und evtl. gibt es später mal noch konkretere Angaben über seine Besucher. Die Daten, die Google sammelt, sollten das doch hergeben.
8 Ein Kommentar von UschaSu am 23 Apr, 2009
@Peer
Ist schon klar, in Blogs mit breiterer Zielgruppe gibt es per se mehr Unbekannte und daher mehr herauszufinden. Und vielleicht auch mehr Notwendigkeit, sein Profil zu schärfen.
Für Werbekunden sind Statistiken natürlich eine schwarz-auf-weiß-Bestätigung dessen, was man selbst so schon weiß (oder ahnt), und daher für die Kommunikation wichtig. Zumal z.B. die Zielgruppe männlich, 25 bis 35, niederes Einkommen, vielleicht für etwas andere Produkte empfänglich ist als die Zielgruppe männlich, 35 bis 45, mittleres bis hohes Einkommen.
Und schließlich, auch Bestätigung an sich ist wertvoll. Auch wenn es gar nichts zu ändern gibt!